CD - Herre, unser Herrscher

Musik aus den Heideklöstern • Kloster Isenhagen

Lobpreis • Glorification

  1. Herre, unser Herrscher
  2. Inveni David servum meum

Lebensführung • Conduct of Life

  1. Ex more docti mistico
  2. Armilla perforata
  3. Ciarum decus

Paradies • Paradise

  1. Emissiones tue paradisi
  2. Amavit eum dominus

Sponsa

  1. Favus distillans
  2. Fons ortorum
  3. Sicut lilium inter spinas
  4. Ecce tu pulchra es amica mea
  5. Ave Maria gratia plena

Jesus / Passion

  1. Conversus est dominus/Benedictus es domine
  2. Fit porta Cristi
  3. Martir insignis
  4. Criste qui lux es
  5. - 38. Historia von dem Leiden und Sterben unseres HERREN und Seligmachers Ihesu Christi

Die Quellen

Das Archiv des Klosters Isenhagen birgt insgesamt sieben Musikfragmente aus dem Mittelalter, wovon lünf dem täglichen Chorgebet zugeordnet werden können, ein Fragment gehört zu einer Messhandschrift und eines zu einer Hymnensamm­lung. Die Messhandschrift stammt aus dem 13. Jh., die übrigen Fragmente aus dem 15. oder 16. Jh. Mehrere Fragmente wurden offensichtlich aus demselben Codex, einem Antiphonar herausgeschnitten. In diesem sehr großen und dicken Codex wurden alle Chorgesänge für das tägliche Stundengebet aufgezeichnet.
Oie heute im Klosterarchiv Isenhagen befindlichen Quellen sind allesamt liturgischer Herkunft. Erhalten sind vor allem Hand­schriften zum Chorgebet. Dies deckt sich mit unserem Wissen von der klösterlichen Kultur: Im Zentrum des Klosterlebens steht das tägliche Stundengebet, unterbrochen vom Konventshochamt, der Messe. Das Chorgebet, auch als Offizium oder Stundengebet bekannt, umfaßte sieben liturgische Feiern unterschiedlicher Länge, die über den Tag verteilt stattfanden. Am umfangreichsten waren die Nachtgottesdienste (Nocturnen), die in die erste Morgenfeier (Laudes) übergingen, gefolgt von den "kleinen Horen", nämlich Prim, Terz, Sext und None. Mit der Feier der Vesper und am späteren Abend der Komplet wurde der Tag abgeschlossen. Die Feier der liturgischen Tages und Nachtzeiten bildete das Herz des Klosterlebens. Die liturgischen Bücher dafür wurden entweder von den Konventualinnen selbst geschrieben oder in benachbarten Klöstern in Auftrag gegeben. Auf den liturgischen Gesang war die Ausbildung der Novizinnen ausgerichtet, ihm diente auch der Erwerb von Kenntnissen der lateinischen Sprache.

Ulrike Haxher-Burger

 

Die Musik

Transzendenz - Im Kloster Isenhagen sind 60 mittelalterliche Gesänge erhalten, die neben biblischen Texten (etwa aus dem Hohen Lied) große individuelle poetische Kraft in Text und Melodik entfalten. Sie dienen damals wie heute der Versenkung in Höheres. Reiche Ornamente stehen z.B. einem schlichten, aber eindringlichen, stets wiederholten kurzen Abschnitt gegenüber (Repetendum). In andere Sphären führen vor allem auch die Strophenlieder wie „Criste qui lux es": Relativ schlichte Melodien werden über lange Zeiträume wiederholt und ermöglichen so eine besondere Art der Konzentration auf den Inhalt. - Neben den mittelalterlichen Originalmanuskripten birgt das Archiv des Klosters Isenhagen einen ganz besonderen Schatz: Eines von wenigen erhaltenen Exemplaren eines „Cantionall Büch oder Kirchengesenge", gedruckt 1573 zu Wittenberg, aber einer Isenhagener Konventualin zugeeignet. Hierin finden sich in frühem Typendruck, jedoch in der Anmutung mittelalterlicher Handschrift von Martin Luther aus dem lateinischen übersetzte Gesänge für das gesamte Kirchenjahr. Spektakulär ist, im Anhang befindlich, eine der sehr frühen deulschen Matthäuspassionen, die „Historia von dem Leiden und Sterben unseres HERREN und Seligmachers Ihesu Christi aus dem Evangelio S. Matthaei kurz gezogen und nach den Personen ausgeteilet wie man sie in Christlicher Versamlungen pfleget die Marterwochen über zu singen". Hier handelt es sich noch nicht um eine „Komposition", sondern um das Setzen des Evangeliums in der Tradition der Kantoren (evtl. Johan Keuchenthai, St. Andreasberg). Der Evangelist, Jesus, Pilatus u.a. rezitieren auf einem unterlegten Instrumentalton, die später reich ausgearbeiteten Chöresind als „Turbae" bereits vorhanden, wenn auch in einfachen vierstimmigen Sätzen. Die Schlichtheit ermöglicht wiederum eine hohe Konzentration auf den Text und entfaltet große Intensität.

Ulrike Volkhardt

 

Aufgenommen September 2008 im Kloster Isenhagen
Aufnahme, Schnitt Bernd Hanke
Sprachgeschichtliche Beratung Prof. Dr. Thorsten Burkard. Kiel / Christian-Albrechts-Universität
Übersetzungen Prof. Dr. Thorsten Burkard / Peter Wolsing (Latein)
Instrumentenkundliche Beratung Prof. Dr. em. Ellen Hickmann, Hannover / Hochschule für Musik und Theater; Adrian Brown, Amsterdam; Friedemann Seitz, Leer; Peter Glasbrenner, Schwäbisch Hall
Archivalische Betreuung Wolfgang Brandts, Lüneburger Klosterarchive
Transkriptionen / Musikwissenschaftliche Betreuung Dr. Ulrike Hascher-Burger, Amsterdam / Universiteit Utrecht
Transkription Passion Prof. Ulrike Volkhardt
Konzeption / Projektleitung Prof. Ulrike Volkhardt, Hannover / Folkwang Hochschule Essen
Executive Producer Dr. Rainer Kahleyss
© und ® 2008 Klassik Center, Kassel. Gefördert von der Klosterkammer Hannover, Stiftung Niedersachsen und der VGH-Stiftung.

 

 

CD-Cover

 

 

 

 

Notenblatt
modals

Europäischen Route der Backsteingotik

EuRoB

Das Kloster Isenhagen liegt auf der Europäischen Route der Backsteingotik.

Informationen zum faszinierenden mittelalterlichen Kulturerbe Backsteingotik im Kloster Isenhagen finden Sie unter kloster-isenhagen.de/

Weiter gehende Informationen zur Europäischen Route der Backsteingotik finden Sie unter www.eurob.org.
Der Reiseführer "Entlang der Europäischen Route der Backsteingotik" ist im Kloster zu erstehen oder bei: Europäische Route der Backsteingotik e.V., Littenstraße 10, D-10179 Berlin, info@eurob.org, +49 (0)30 2061325-55.

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